Richtlinien für die lebendige Geschichtsdarstellung zwischen Alliierten, Achsenmächten und Zivilisten

Auf Living History Veranstaltungen besteht immer die Gefahr, dass einige Dinge falsch laufen und Leute verärgert werden. Die eine Gruppe weiß nicht, was sie von einer anderen Gruppe zu erwarten hat, irgendeiner geht zu weit und ein anderer wiederum geht nicht weit genug.
Kann ein deutscher Soldart einen verdächtigen Zivilisten durchsuchen, darf ein Amerikaner einen deutschen Kriegsgefangenen einen „Damn Kraut Nazi“ schimpfen, darf ein Zivilist ein deutsches Fahrzeug sabotieren?
Dinge, die in der Vergangenheit tatsächlich passiert sind, können Dinge sein, die ein Reenactor nicht nachstellen möchte oder über die er vielleicht sogar wirklich verärgert ist, wenn er damit auf dem "Feld" konfrontiert wird.

Es muss eine Balance geben, nicht nur um zu verhindern, dass Reenactoren sich untereinander zerstreiten, sondern auch, weil wir die Wirkung unseres Verhaltens auf die Öffentlichkeit berücksichtigen müssen.
Um ernsthafte Probleme zu verhindern, haben wir diese Richtlinien geschrieben.
Wir sind die einzige echte zivile Living History Gruppe in den Niederlanden und befinden uns von daher direkt mitten im Geschehen.
Auf Veranstaltungen interagieren wir mit beiden Seiten, den Achsenmächten sowie den Alliierten. Wir wollen sichergehen, dass wir alle wissen, was wir gegenseitig voneinander erwarten können.
Gruppen, die sich dazu entscheiden, diese Richtlinien zu befolgen, wissen, was sie auf der nächsten Veranstaltung von einander zu erwarten haben.

Natürlich gibt es genügend Möglichkeiten außerhalb dieser Richtlinien zu agieren, wo zum Beispiel Szenen aufgebaut werden, wo beide Seiten etwas weiter gehen, um einen bestimmten Aspekt des Krieges aufzuzeigen. Diese Richtlinien sollen nicht verhindern, dass man bestimmte Dinge nachstellt. Sie sollen lediglich sicher stellen, dass nicht etwas nachgestellt wird mit jemandem, der kein Teil einer solchen Szene sein möchte.
Man muss diese Richtlinien nicht befolgen, aber wenn man sich dazu entscheidest, etwas zu tun, dass diesen Regeln widerspricht, weiß man zumindest, dass man es besser vorher mit seinem „Feind“ besprechen sollte.
Einfach jemanden auf der Stelle zu erschießen kann große Probleme verursachen, wenn das Opfer Schwierigkeiten hat, etwas derartiges nachzustellen oder wenn die entsprechende Person bereits Teil einer anderen Szenerie ist, die jetzt dadurch ruiniert wird, dass jeder sie oder ihn hat sterben sehen!

Diese Richtlinien sind für Westfront Reenactoren geschrieben. Die Art und Weise, wie Personen hier behandelt wurden, weicht stark davon ab, was an der Ostfront üblich war. Nicht alle Reenactoren scheinen allerdings zu realisieren, dass man sich gegenüber jemandem, der in den schmalen Gassen von Amsterdam eine Zeitschrift des Untergrundes mit sich trägt, nicht auf die gleiche Weise verhalten kann wie gegenüber einem Partisanen in der Nähe von Stalingrad.

Langsam aber sicher findet das Reenactment deutscher Truppen in den Niederlanden Akzeptanz. Es mag für Ausländer schwierig zu verstehen sein, aber es ist hier immer noch ein sehr sensibles Thema. Wir müssen sehr vorsichtig damit sein, was wir nachstellen, nicht nur weil wir verhindern wollen, dass sich Leute über unsere Darstellung aufregen, sondern auch um zu verhindern, dass deutsches Reenactment in den Niederlanden wieder unerwünscht sein wird.

Es gibt immer noch Personen unter den Zuschauern, die während des Krieges gelebt haben oder die andere Gründe haben, warum sie bestimmte Aspekte des Krieges nicht dargestellt sehen wollen.
Unabhängig davon, wie die persönliche Meinung eines jeden dazu aussieht, so müssen wir doch die Gefühle dieser Leute respektieren. Wir werden schließlich nie wissen, was sie durchgemacht haben und warum sie auf die Weise fühlen, wie sie fühlen. Sie haben diese Zeit durchlebt und wir sollten ihre Gefühle respektieren.

Diese Richtlinien wurden auch geschrieben, weil viele immer noch falsche Vorstellungen davon haben, wie deutsche Soldaten sich im allgemeinen gegenüber der Bevölkerung in besetzten Gebieten verhalten haben.

Am Ende dieser Seite sind die einzelnen Kapitel der Richtlinien aufgeführt. Ich kann nur empfehlen, sie alle zu lesen und nicht nur diejenigen Regeln, die einen direkt betreffen.

Zum Schluss:
Alle diese Richtlinien basieren in erster Linie und zum größten Teil auf detaillierter geschichtlicher Nachforschung. Historische Authentizität ist das wichtigste Motiv, welches hinter diesen Bemühungen steht, und nicht 'political correctness'.

Wir haben herausgefunden, dass das, was man am ehesten als authentisches Verhalten einstufen kann, tatsächlich mit dem übereinstimmt, was viele Leute für eine Darstellung als akzeptabel erachten. Von daher mussten nur wenige Zugeständnisse gemacht werden.

Die Richtlinien wurden für unsere holländische Zivilisten Gruppe geschrieben. Von daher behandeln sie in erster Linie die Situation in den Niederlanden und wie Zivilisten dort von bestimmten Maßnahmen beeinflusst wurden.

Falls jemand eine Bemerkung zu den Richtlinien hat oder weitergehende Informationen über eines der behandelten Themen, lasst es mich bitte wissen und ich werde sie in meinen Artikel einfließen lassen.
Ich bin mir sicher, dass es immer noch Dinge gibt, die man verbessern könnte. Ich bin mir sicher, dass es Leute da draußen gibt, die Material haben, welches vielleicht ein anderes Licht auf das werfen könnte, was wir hier geschrieben haben. Bitte sendet mir Eure Geschichten, so dass wir dafür Sorge tragen können, diese Richtlinien noch angemessener und authentischer zu machen.

Wenn wir diese Richtlinien benutzen, ist es uns hoffentlich möglich, Veranstaltungen, wo zivile und alliierte Gruppen sowie Gruppen, die die Achsenmächte darstellen, zeigen, wie ein Teil des Krieges aussah, noch authentischer zu gestalten.